Ehemalige Jesuitenkirche Mariä Himmelfahrt,
Studienkirche
(Kardinal-von-Waldburg-Str. 5)

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Der in Dillingen a.d. Donau ansässige Graubündner Baumeister Johann Alberthal erbaute sie 1610 - 1617 in frühbarocken Formen.
Der Plan, der durch Vorschläge von Johann Alberthal bereichert worden war, geht auf ein Jesuitenkollegium zurück. Die Endredaktion lag jedoch in Augsburg in dem Kreis um Elias Holl sowie der Malerarchitekten Joseph Heintz d.Ä. und Matthias Kager. Hierfür spricht u. a. die äußere Wandbehandlung. So weist das Südportal die gleichen Maße wie das Augsburger Rathausportal auf.
Inneres 1750 - 1765 im Stile des Rokoko tiefgreifend umgestaltet. Die Umgestaltung prägt das heutige Raumbild.
Südportal aus der Erbauungszeit; Westportal von 1768.

Turm, 72 m hoch, als Dachreiter über dem Ostgiebel aufgeführt; über dem geschwungenen Zeltdach ein hoher Obelisk, der an die besondere Bindung des Jesuitenordens an den Papst erinnert.

Das Bauwerk zählt neben der Münchner Michaelskirche zu den ältesten barocken Wandpfeilerkirchen. Es vertritt einen Bautypus, der rund 150 Jahre hindurch für Kirchen mittlerer Größe, besonders für Klosterkirchen, in Gebrauch war; vgl. z. B. die Wallfahrtskirche Unserer Lieben Frau auf dem Schönenberg in Ellwangen (Landkreis Ellwangen) oder die ehemalige Klosterkirche Mariä Himmelfahrt, St. Peter und Paul in Irsee (Landkreis Ostallgäu).

Im Inneren ist besonders sehenswert:

Stuck von 1750 - 51, wohl von Wessobrunner Künstlern, beschränkt sich auf Stichkappen, Gurtbögen und Fensterrahmungen. Große, von 2 Engeln gehaltene Muschelwerkkartusche am Chorbogen mit der Inschrift "REGINAE COELI ET TERRAE", d. h. "Der Königin des Himmels und der Erde".
Medaillons mit den Reliefs der 4 Evangelisten sowie der 4 Kirchenväter an den Chorpfeilern von 1762, Johann Michael und Bartholomäus Hoiß zugeschrieben; Medaillons mit den Reliefs der Apostel an den Langhauspfeilern von 1765, wohl von den gleichen Meistern.

Deckenfresken von dem Asamschüler Christoph Thomas Scheffler
Im Chor, 1750: Krönung Mariens;

In den Abseiten Vorbilder Mariens im Alten Testament: nördlich gegen Osten Hagars Rückkehr und gegen Westen Judith als Retterin des Volkes; südlich gegen Osten Rebekka und gegen Westen Krönung Esthers durch Ahasver.

Im Langhaus, 1751: Mittelbild mit Maria als Himmelskönigin im Kreis der Heiligen. Vor ihr knien die Jesuitenheiligen Alois und Stanislaus Kostka, empfohlen vom Erzengel Gabriel. Durch dieses Hauptfresko wird eine zentralisierende, kuppelartige Wirkung erreicht.

In den Schmaljochen wirkungsvolle Darstellung der Missionstätigkeit der Jesuiten in den 4 Erdteilen:
Östlich: hl. Ignatius (Europa) und hl. Franz Xaver (Asien)
Westlich: Pater Joseph Anchieta (Amerika) und hl. Silverius (Afrika)

In den Abseiten die Patrone der Hochschulfakultäten als Marienverehrer, paarweise von Osten nach Westen:
Hieronymus (biblische Theologie) und Thomas von Aquin (Dogmatik), Augustinus (Apologetik) und Antoninus von Florenz (Moraltheologie), Ivo von Tréguier (Jurisprudenz) sowie Cosmas und Damian (Medizin), Albertus Magnus (Philosophie) und Cypran (Rhetorik).

Altäre: Choraltar bis zur Decke aufwachsend, von dem Dillinger Schreiner Joseph Hartmuth nach dem Entwurf Johann Georg Bergmüllers von 1753 gefertigt; eine Stiftung der großen Marianischen Kongregation.
Altarblatt Mariä Himmelfahrt von Johann Georg Bergmüller, bez. "1756". Überlebensgroße Holzfiguren von Johann Michael Fischer: vor den Säulen die hll. Ignatius und Franz Xaver; auf den seitlichen Sockeln die hll. Aloisius und Stanislaus Kostka.
Der Altar ist einer der wenigen, erhaltenen Bühnenaltäre in Deutschland.

Sechs Seitenaltäre von 1760/61, wohl von Hartmuth und Fischer:
4. Joch:
Nördlich Hieronymus-Altar mit Gemälde Vision des Heiligen vom Jüngsten Gericht, um 1620; im Auszug hl. Franz Regis (?), um 1760, wohl von Vitus Felix Rigl.
Südlicher Marienaltar mit Kreuzigung, von Bergmüller, 1716; im Auszug hl. Franz Borja, um 1760 von Rigl; im Rokokoschrein Holzfigur der Muttergottes um 1760 (Umkreis von Fischer).

3. Joch:
Nördlich: Ignatius-Altar; Gemälde: der kreuztragende Christus erscheint dem hl. Ignatius auf dem Weg nach Rom, von Rigl, 1760.
Südlich: Altar des hl. Franz Xaver mit dem Altarblatt sein Tod auf der Insel Sancian, von Rigl, 1759.

2. Joch:
Nördlich: Ursula-Altar; Altarblatt Martyrium der hl. Ursula, 1762 von Anwander; Auszug: hl. Karl Borromäus.
Südlich: Josefsaltar; Altarblatt Tod des hl. Joseph, 1761 von Anwander; Auszug: hl. Nepomuk.

An der Nordseite des 1. Jochs Altar der hll.Aloisius und Stanislaus Kostka um 1726/27. Altarblatt für die beiden Heiligen vor der Gottesmutter, von Scheffler 1727; Figuren von Johann Georg Bschorer.

Kanzel, um 1760, zählt zu den namhaftesten Werken von Johann Michael Fischer. Sie führt die Verehrung des Namens Jesu durch die 4 Erdteile vor.
Über den 4 Evangelistensymbolen am Kanzelfuß der pilastergegliederte Korb mit den göttlichen Tugenden Glaube (Kreuz), Hoffnung (Anker) und Liebe (Flammenherz und Kind); auf dem Schalldeckel Allegorien der 4 Erdteile; bewegter Engel als Bekrönung, der auf die hochgehaltene Rocaillekartusche mit dem Christusmonogramm hinweist.

Beichtstühle, dreiteilig, unter der Westempore, um 1700; mit geschnitzten Akanthusranken und Blüten; Brustbilder Ecce Homo und Maria in den Seitenteilen der Rückwände.

Chorgestühl, um 1620; rückwärtige Aufsätze von etwa 1760.

Gestühl der Abseiten um 1620; rückwärtige Aufsätze um etwa 1760, hierin ovale Ölbilder von Anwander, 1761/62 bzw. 1768.
Jeweils von Osten nach Westen:
nördlich die hll. Ildefons, Karl Borromäus, Elisabeth von Portugal (1768) und Johanna von Valois;
südlich: Kaiser Heinrich, hl. Pulcheria (1768) und hl. Antonius von Padua.

Gemälde:
An den Chorwänden die Patrone der 4 Fakultäten der Dillinger Universität, von Anwander, 1762:
links: die hll. Katharina von Alexandrien (Philosophie) und Ivo von Tréguier (Jurisprudenz);
rechts: die hll. Thomas von Aquin (Theologie) sowie Cosmas und Damian (Medizin).

Große Wandbilder der Langhausabseiten, um 1660:
im 3. Joch:
nördlich: hl. Franz Xaver; südlich: hl. Ignatius von dem Konstanzer Hofmaler Johann Christoph Storer.

Im 2. Joch:
nördlich: hl. Stanislaus Kostka und hl. Barbara vor der Muttergottes kniend, von Johann Heinrich Schönfeld; südlich: hl. Aloisius, wohl augsburgische Arbeit.

Im 1. Joch:
nördlich: Kreuzigung der 3 japanischen Märtyrer.

Halbfiguren in den 4 Mittelabseiten der hll. Aloisius, Joachim, Johann Nepomuk und Joseph, alle Augsburg um 1740/50.
Unter der Westempore reuiger Petrus und büßende Maria Magdalena, von Anwander, 1766.

Epitaphien von 1657:
In den östlichen Abseiten für den hier begrabenen Universitätsstifter Kardinal Otto Truchseß von Waldburg, gest. 1573 (nördlich) sowie für Fürstbischof Heinrich von Knöringen, gest. 1646 (südlich).