Ehemalige Universität in Dillingen a.d.Donau

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Ehemalige Universität in Dillingen Ehemalige Universität, seit 1971 Teil der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung (Kardinal-von-Waldburg-Str. 6). 1688 - 1689 zwischen dem ehemaligen Jesuitenkolleg und der alten Regentie des Priesterseminars errichtet; Plan dem Vorarlberger Michael Thumb zugeschrieben.

Äußeres
Dreigeschossige Südfassade in strengen, hochbarocken Formen mit kräftigen Dreiecks- bzw. Segmentbogengiebel über den Fenstern im Wechsel. Im dritten Geschoss zusätzlich Okuli wegen des Goldenen Saals.
Über dem großen Rundbogentor eine Nische mit dem hl. Hieronymus (ehem. am Konvikt St. Hieronymus, später Priesterseminar), um 1625, wohl von Sebastian Guggenbichel.

Aufgang zum Goldenen Saal
Am Aufgang vom 1. zum 2. Obergeschoss ein schmiedeeisernes Rokoko-Gitter um 1761/64; gleichzeitig die eleganten Rokokostukkaturen im Stiegenhaus, wohl von Johann Michael Hoiß.
An den Wänden Medaillons mit den Stuckreliefs, von unten nach oben: Mariä Verkündigung (Erzengel Gabiel sowie Maria), hl. Joseph mit Jesukind auf der Weltkugel, hl. Joachim mit Maria, hl. Anna mit Maria, Immaculata, hl. Aloisius, hl. Stanislaus Kostka, Herz Jesu und Herz Mariä.

Goldener Saal
Ursprünglich Saal der 1574 in Dillingen a.d. Donau gegründeten großen Marianischen Kongregation. Rechteckiger Raum (29,44 m lang, 12 m breit und 6,20 m hoch) mit flachem Gewölbe und östlicher Musikempore.
Bester Standort in der Mitte des Saales.

Qualitätsvolle, prunkvolle Ausstattung von 1761 - 64:
Stuck: in der Form von Rocaillen, wohl von Johann Michael Hoiß. Seitlich des Altars und zwischen den Fenstern der Längsseiten Kartuschen mit Putten, die marianische Symbole halten.

Fresken
Sie gelten als Hauptwerk des in Lauingen (Donau) ansässigen Johann Anwander, bez. "1762". Durch geschickte Anordnung und differenzierte Farbigkeit sucht Anwander die geringe Höhe des Saales künstlerisch zu überwinden. Das in den Stuckreliefs begonnene Thema "Maria, Sitz der Weisheit" wird in den Deckenfresken weitergeführt.
Im Westen thront Maria als personifizierte Weisheit in einem siebensäuligen Tempel. Vor den Säulen, auf einem balkonartigen Anbau, die in Grautönen gemalten Fakultätspatrone:
von links:

  • hl. Thomas von Aquin für Theologie,
  • hl. Pantaleon für Medizin,
  • hl. Ivo von Tréguier für die Jurisprudenz,
  • hl. Franz Xaver für die Philosophie und Naturwissenschaften.

Von links kommt der damalige, in Hermelin gewandete Fürstbishof Joseph I., Landgraf von Hessen-Darmstadt.
Von rechts schreitet hinzu der zu seinem Nachfolger bestimmte Klemens Wenzeslaus, Prinz von Sachsen und Polen; im blauen Umhang vor ihm sein Bruder Albert mit Gefolge in orientalischer Pracht.

Als Gegenstück in der östlichen Hälfte eine Bogenhalle mit Altar, auf dem Maria als Immaculata thront. Die sieben allegorischen Frauengestalten in Grautönen verkörpern die sieben Gaben des hl. Geistes.
Der Rektor der Universität (links, mit rotem Schulterumhang) huldigt der Immaculata; rechts der Kanzler (mit blauem Kragen), gefolgt vom Dillinger Bürgermeister und vom Stadtamtmann.

Die Nordseite zeigt uns die "neue Stadt", das akademische Dillingen a.d. Donau. Die Ansicht entspricht noch in etwa dem heutigen Aussehen. Vor den Gebäuden die Schutzpatrone von Universität und Konvikt; links Ignatius und rechts Hieronymus. Weiter im Vordergrund: links Apollo, der Gott der Künste, und rechts Athene, die Göttin der Wissenschaft.

Auf der gegenüberliegenden Seite: das Dillinger Schloss; die Patrone der Pfarrei: Petrus und Paulus.
Darunter die Fruchtbarkeitsgöttin Ceres (links) und rechts die Flussgottheit Danubius. Trefflich sind hier die Übergänge von der Malerei zur Plastik zu sehen, ein beliebtes Stilmittel des Rokoko.

Fakultätsbilder
In der Südwest-Ecke, links vom Altar, ist die theologische Fakultät abgebildet: die "PROFUNDISSIMAE", "die tiefgründigste Wissenschaft".
Blitze werden auf die beiden gestürzten Irrlehrer, wohl Calvin und Zwingli, geschleudert.

In der Nordwest-Ecke ist die juristische Fakultät dargestellt:
Die Rechtswissenschaft trägt die Aufschrift "CONSULTISSIMAE", d. h. "der Wissenschaft, die am ehesten mit Rat zur Seite steht". Sie spaltet sich in Kirchenrecht (Kelch und Hostie, Tiara) und weltliches Recht (Kaiserkrone und Reichsapfel) auf. Der habsburgische Doppeladler erinnert an die damalige Schutzmacht.
In der Ecke ein stürzender Mann, daneben ein Wildschwein, das in seinem Rüssel das "lus Canon [icum]" hält. Die Darstellung spielt auf Martin Luther an, wie der Text "IUS Isleb [ensis]" verrät!

Die Nordost-Ecke (links) ist der philosophischen Fakultät gewidmet, der "EXPERIENTISSIMAE", d. h. "der Wissenschaft, die am meisten Erfahrung aufbaut". Die philosophische Fakultät umfasste damals auch die gesamte Naturwissenschaft. Dargestellt wird sie als Frauengestalt mit Flügeln am Kopfe. Der abstürzende Mann mit Eselsohren ist die personifizierte Dummheit. Die nach rechts wegschleichende Frau versinnbildlicht die Trägheit.

In der Südost-Ecke ist die medizinische Fakultät abgebildet. Aufschrift: "SALUBERIMAE", d. h. "der Heilbrigendsten". Das Einhorn verweist zum einen auf Maria als Jungfrau und zum anderen ist es ein Symbol für Stärke.

Altar, 1764 von Johann Michael Fischer
Im Mittelfeld Rosenkranzbild von David Werl, 1608; eine Leihgabe der Bayer. Staatsgemäldesammlung seit 1949.
Figuren: hl. Joseph links und hl. Stanislaus Kostka (rechts) von Johann Michael Fischer, 1764.
Von ihm stammt auch das Gestühl mit vergoldetem Schnitzdekor für die Vorstandschaft der Kongregation und die Professoren sowie die Bildhauerarbeiten an Portal und Fenstern.

Öffnungszeiten
April bis Oktober an den Wochenenden von 10:00 - 16:00 Uhr;
Mittwoch: 13:00 - 14:00 Uhr sowie auch nach Vereinbarung; wird im Rahmen der Stadtführung der Volkshochschule Dillingen a.d. Donau besucht.

Text: Georg Wörishofer
Fotos: Christian Maushart